Mittwoch, 29. Juli 2015

29.7.1856: Todestag Robert Schumanns


Robert Schumann
Robert Schumann, der später so berühmt gewordene Komponist, wurde am 8. Juni 1810 als jüngstes von fünf Kindern eines Buchhändlers in Zwickau geboren. Schon im Alter von sieben Jahren erhielt er sowohl praktischen Klavier- als auch musik-theoretischen Unterricht bei Johann Gottfried Kuntsch, dem Organisten der Zwickauer Marienkirche. und schuf, aufgrund seiner beachtlichen Begabung, bereits seit seinem 11. Lebensjahr eigene Kompositionen. Dennoch begann er mit 18 Jahren dem Wunsch seiner Mutter gemäß – der Vater war zwischenzeitlich verstorben – ein (ungeliebtes) Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig und Heidelberg, dass er aber schon nach zwei Jahren abbrach, um sich ganz der Kunst zu widmen. Zunächst schwebte ihm noch eine Karriere als Klaviervirtuose vor, weshalb er bei Friedrich Wieck weiteren Klavierunterricht nahm. An die Mutter schrieb er am 30. Juli 1830 hoffnungsfroh: „Folg' ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst, und ich glaube zum rechten Weg.“ Auch sein Lehrer Wieck versprach, ihn innerhalb von drei Jahren zu einem der größten Pianisten auszubilden, doch musste Schumann den Gedanken an eine Karriere wegen eines Handleidens bald aufgeben. Seitdem konzentrierte er sich ganz und gar auf das Komponieren und die Musiktheorie. 1834 gründete er mit Freunden in Leipzig die „Neue Zeitschrift für Musik“, die er bis 1844 als Redakteur leitete und zum wichtigsten Organ des musikalischen Fortschritts in Deutschland machte.

Clara und Robert Schumann
Seit Mitte der 1830er Jahre hatte sich eine Liebesbeziehung zu Clara Wieck, der Tochter seines Lehrers entwickelt, die Schumann gegen den Willen des Vaters 1840 heiratete. An ihrer Seite begann sein Aufstieg als Komponist sowohl von Klavierwerken, als auch von Vertonungen zeitgenössischer Dichtung sowie von Orchester- und Kammermusikwerken.

Die 1819 in Leipzig geborene Clara Wieck hatte bereits mit fünf Jahren eine exzellente musikalische Ausbildung durch ihren Vater und Kompositionsunterricht durch den damaligen Thomaskantor Theodor Weinlig erhalten und galt, als Robert sie heiratete, bereits als bedeutendste Pianistin Europas. Sie hatte 1830 sogar in Weimar vor Goethe gespielt, der ihr mit seinem Gedicht „Clara Wieck und Beethoven“ ein bleibendes Denkmal setzte. Trotz ihrer zehn (!) Schwangerschaften und acht Kindern, die sie im Laufe ihrer Ehe gebar, absolvierte sie große Tourneen (1842 Norddeutschland, 1844 Russland, 1846 Wien, 1853 Holland) und organisierte den Haushalt. Robert begleitete seine Frau 1844 auf ihrer Russland-Tournee, bei der er in St. Petersburg seine erste Sinfonie dirigierte. Noch im selben Jahr ließ sich das Paar in Dresden nieder, wo es Schumann während des sechsjährigen Aufenthalts nicht gelang, eine öffentliche Anstellung zu erlangen. Schon diese Zeit war geprägt von häufigen Krankheiten Schumanns, der immer wieder über Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle und Depressionen klagte. In Schumanns Tagebuch und in seinen Rechnungsbüchern ist jetzt häufig von schrecklichen nervösen Leiden und einem „Zustand völliger nervöser Erschöpfung“ die Rede. Heute nimmt man an, dass er bereits da an einer sogenannten bipolaren Störung, (auch manisch-depressive Erkrankung genannt) litt, die möglicherweise durch eine seit spätestens 1831 bestehende Syphilis verstärkt wurde.

1850 nahm Schumann eine von Ferdinand Hiller vermittelte Stelle als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf an, die er mit großer Freude antrat. Wie besessen komponierte er nun in kürzester Zeit seine dritte Sinfonie, die „Rheinische“, in der er seine Eindrücke von dem ihm bis dahin unbekannten Landstrich verarbeitete. Im Verlauf der nächsten drei Jahre komponierte Schumann fast ein Drittel seines gesamten Œuvres.

Oberkasseler Pontonbrücke
Seine Arbeit als Orchesterchef war jedoch zugleich von Misserfolgen geprägt, so dass er nach mehreren Rücktritts-Forderungen sein Amt 1853 tief gedemütigt niederlegte. Auch Schumanns körperliche Beschwerden hatten stark zugenommen und sein Zustand verschlechterte sich derart, dass er von schweren Depressionen heimgesucht wurde. Am 10. Februar 1854 klagte er plötzlich über „Gehöraffektionen“ und Halluzinationen, wie etwa „Dämonenstimmen mit gräßlicher Musik“. In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar glaubte er, Engelsstimmen zu hören, die ihm ein choralartiges Thema vorsangen. Am 27. Februar, einem Rosenmontag, gelang es dem nur spärlich bekleideten Komponisten, sich aus dem Haus zu schleichen und zum Rhein zu laufen. Dort stieg er über das Geländer der Oberkasseler Pontonbrücke und stürzte sich in suizidaler Absicht in den Rhein, nachdem er noch zuvor seinen Ehering im Fluss versenkt hatte. Die Brückenwärter hatten sein Treiben glücklicherweise beobachtet und konnten ihn aus den Fluten retten.

Am 4. März 1854 wurde Schumann auf eigenen Wunsch in die private Heilanstalt von Dr. Franz Richarz nach Endenich bei Bonn verbracht, die er bis zu seinem Tod nicht mehr verließ.

Schumannhaus in Endenich, ehemals Heilanstalt
Foto: Wiki-User Sir James

Franz Richarz,
Medaillon von Albert Küppers
Foto: Wiki-User Jotquadrat
Der Bonner Sanitätsrat Franz Richarz (1812–1887) war 1834 an der Bonner Universität in Medizin promoviert worden, wirkte 1836–1844 an der Siegburger Heilanstalt und gründete anschließend in Endenich die erste private Heil- und Pflegeanstalt für Gemüts- und Nervenkranke im Rheinland, die sich in den Folgejahren einen hervorragenden Ruf auch im Ausland erwarb. Als Anhänger einer Psychiatrie-Reform sah er die zeitgenössische Lehre durchaus kritisch und wandte fortschrittliche und teils wegweisende Methoden in der Behandlung von psychisch Kranken an, so auch an seinem berühmtesten Patienten, Robert Schumann.

Vor allem verordnete er ihm viel Ruhe und ein striktes Besuchsverbot. Dennoch durften ihn gelegentlich seine Freunde Bettina von Arnim, Joseph Joachim und Johannes Brahms aufsuchen. Seine Frau Clara jedoch, die am 14. und 23. Juli 1856 versuchte zu ihm zu gelangen, ließ man zunächst nicht ein. Erst zwei Tage vor seinem Tod, am 27. und 28. Juli, durfte sie ihn sehen.

Am 29. Juli 1856 verstarb Schumann nach langer fortgesetzter Nahrungsverweigerung in der Endenicher Heilanstalt. Am Abend des 31. Juli wurde er auf dem Alten Friedhof in einem Ehrengrab bestattet.

Schumann-Grab,
Alter Friedhof
Am 2. Mai 1880 wurde das bedeutende von Adolf von Donndorf geschaffene Grabmal eingeweiht. Bei der Enthüllungsfeier waren neben einer großen Anzahl hochstehender fremder und Bonner Gäste Clara Schumann mit ihren Kindern Marie, Eugenie und Ferdinand sowie Joseph Joachim und Johannes Brahms anwesend. Unter den zahlreichen abgelegten Kränzen befanden sich sogar zwei aus Hongkong und Kanton. 1875 wurde eine Straße in der Bonner Südstadt nach Schumann benannt.

Clara Schumann überlebte ihren Mann um 40 Jahre. In dieser Zeit besuchte sie häufig Bonn und war regelmäßiger Gast im Hause des Textilfabrikanten Carl Gottlieb Kyllmann. 1873 und 1880 nahm sie an den Bonner Schumannfeiern teil; am 3. Mai 1880 führte sie Schumanns „Ungarischen Tänze für Klavier zu vier Händen“ gemeinsam mit Johannes Brahms in der Villa Deichmann als Uraufführung auf. Nach ihrem Tod am 20. Mai 1896 wurde Clara Schumann ihrem Wunsch gemäß ebenfalls im Grab ihres Mannes beigesetzt.

1978 wurde die seit 1955 bestehende Schumannstraße in Rüngsdorf in Clara-Wieck-Straße umbenannt; 2006 folgte in Vilich-Müldorf der Clara-Schumann-Weg.

Das klassizistische Gebäude der ehemalige Nervenheilanstalt beherbergt heute die Schumann-Gedenkstätte und die Musikbibliothek der Stadt Bonn.

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