Mittwoch, 4. März 2015

Das Kriegerdenkmal in Kessenich


Kriegerdenkmal Kessenich
Foto: J. Niesen, 2012

In der Kessenicher Nikolausstraße steht ein etwas ungewöhnliches Denkmal in Form eines Rondells, aus dessen Mitte eine große Linde herausragt. Sechs 2,40 m hohe Muschelkalkpfeiler mit quadratischem Grundriss sind auf einem mehrfach gestuften, in der Mitte offenem, runden Sockelring von etwa 4 m Durchmesser kreisförmig in gleichen Abständen angeordnet. Sie tragen einen ringförmigen Architrav, der nach oben mit einem einfachen, weit auskragenden und mit einem Zahnschnitt versehenen Kranzgesims abschließt, so dass eine Gesamthöhe von etwa 3,10 m erreicht wird. Der Architrav trägt als Aufschrift in schlichten Versalien die Worte aus dem Johannes-Evangelium: Niemand zeigt größere Liebe, denn der sein Leben lässt für seine Freunde.

Die Muschelkalkpfeiler zeigen auf ihren drei Außenseiten die Inschriftenreihen der Gefallenen aus den drei letzten deutschen Kriegen mit den dazugehörigen Jahreszahlen. Zudem ist auf einem der Pfeiler zu lesen: Unvergessen bleiben die 110 Vermissten unserer Ortsgemeinschaft auf deren Heimkehr zur Zeit der Errichtung dieses Males noch gehofft wird. Dankbares Gedenken verbindet uns auch mit den Kriegsopfern unserer neuen Mitbürger in Kessenich.
Am oberen Ende der Pfeiler befindet sich jeweils zur Schauseite hin ein in Stein gemeißelter neusachlicher Soldatenkopf mit Wehrmachtshelm. Unten sind die Pfeiler mit schmiedeeisernen Gittern verbunden, die jeweils mittig von einem Eisernen Kreuz geziert werden

Kriegerdenkmal Kessenich
Foto: J. Niesen, 2012
Den Ursprung des Kriegerdenkmals bildet eine kurz nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 für vier gefallene Kessenicher Soldaten gepflanzte Linde, die zunächst Sieges- und später Friedenslinde genannt wurde. 1926 ließ der Kessenicher Kriegerverein mit Spendengeldern aus der Bevölkerung den Baum durch ein Krieger-Ehrenmal umschließen, dass die Namen der 279 Kessenicher Toten des Ersten Weltkriegs trug. Eingeweiht wurde das von Stadtbaurat Behr entworfene und durch die Firma Walbrück & Schlösser ausgeführte Denkmal am 1. Mai 1926 mit einer nächtlichen Feierstunde unter großer Beteiligung der Bevölkerung. Fahnenabordnungen von 25 Vereinen des Kreis-Kriegerverbandes Bonn waren erschienen, ebenso wie der Bonner Oberbürgermeister und Mitglieder der Stadtverwaltung. Der Kessenicher Gesangverein sang „in jeder Beziehung lobenswert“, wie es in der Deutschen Reichszeitung vom 3.5.1926 hieß. Der Instrumentalverein spielte Beethovens Trauermarsch aus der „Erocia“. Bei der anschließenden Kranzniederlegung unter 18 Böllerschüssen spielte ein Bläserquartett das damals obligatorische Soldatenlied „Ich hatt' einen Kameraden“.

Kriegerdenkmal Kessenich, Detail
Foto: J. Niesen, 2012
1956 wurde die Inschrift durch die Namen der 380 im Zweiten Weltkrieg getöteten Kessenicher erweitert und um die Namen der 110 Vermissten ergänzt. Seit 1991 steht das Ehrenmal unter Denkmalschutz.

Das in klarem, neusachlichem Stil erbaute Rondell ist von hoher architektonischer Ästhetik und gehört besonders wegen seiner mehr als 140 Jahre alten Linde zu den schönsten Denkmälern Bonns. Nicht zuletzt wegen der nüchternen und wohltuend unpathetischen Gestaltungsweise verbindet sich hier das Angedenken an die Toten auf einfühlsame Weise mit dem Symbol für Lebenskraft, Wachstum und Segen: dem Baum. Der Zyklus der Natur, von den absterbenden Blättern im Herbst bis zum neuen Grün im Frühling, wird dabei als christliche Hoffnung auf die Auferstehung gedeutet. Der Anblick des Monuments mit der im Inneren stehenden Linde bietet im Wechsel der Jahreszeiten einen ganz besonderen Reiz.



Literatur: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Edition Lempertz, Königswinter 2013.

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