Freitag, 9. Januar 2015

Am 8. Januar 1753 wurde der bedeutende Kurkölnische Hofkammerpräsident Franz Wilhelm Freiherr von Spiegel zum Diesenberg geboren.


Entgegen dem oft falsch kolportierten und heute noch in der Literatur häufig anzutreffenden Geburtsdatum 30.1.1752 wurde der aus altem westfälischem Adel stammende Franz Wilhelm Freiherr von Spiegel zum Diesenberg (auch: Desenberg) erst am 8. Januar 1753 auf Schloss Canstein bei Mersberg/Westfalen geboren. Sein Vater Theodor Herrmann (1712-1779) war als Landdrost seit 1758 der höchste Vertreter des kurkölnischen Staates in Westfalen. Sein Bruder Ferdinand-August (1764-1835) schlug die geistliche Laufbahn ein und wurde 1825 zum Erzbischof von Köln geweiht.

Franz Wilhelm von Spiegel auf einem
zeitgenössischen Porträt
Franz Wilhelm von Spiegel wurde zunächst, wie im Adel üblich, bis zum 10. Lebensjahr von einem Hausgeistlichen unterrichtet. Danach sandte sein Vater ihn in die kurkölnische Haupt- und Residenzstadt Bonn, wo Franz Wilhelm für die nächsten sechs Jahre Zögling des Pageninstituts war, einer Lehranstalt für den Adel des Kurstaates, die teils von Jesuiten betreut wurde. Anschließend studierte er 1768–1770 Rechtswissenschaften an der damals ungemein bedeutenden Universität Löwen und – nach seiner Ernennung zum Kammerherrn – nochmals bis 1775 Rechtswissenschaften und Geschichte in Göttingen, wo der spätere Reformer Freiherr vom und zum Stein zu seinen Kommilitonen zählte. Seiner Rückkehr nach Bonn folgte die Ernennung zum Hofrat der kurkölnischen Regierung. Zwei Jahre lang gehörte er dem Hofratskollegium an, dann bewarb er sich – trotz einer gewissen Abneigung gegen den geistlichen Stand – aus finanziellen Gründen um eine Stelle als Domherr. Das fehlende theologische Studium absolvierte er ab 1776 in Rom, bis er nach den erfolgten niederen Weihen Domherrenstellen in Münster und Hildesheim erhielt.

Max Franz von Österreich als
Kölner Kurfürst
1779, nach dem Tod des Vaters, bekleidete von Spiegel das Amt des Landdrosten im Herzogtum Westfalen, wo er sich im aufklärerischen Sinne für eine Reform der Bildung und des Polizeiwesens einsetzte. 1784 wechselte er an den Bonner Hof in die Regierung des neuen Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich, der ihn zunächst zum kurfürstlichen Konferenzrat und 1786 zum Hofkammerpräsidenten sowie Präsidenten des Akademierats ernannte. Er erlangte große Verdienste durch Zollreformen wie die staatliche Verwaltung des Zollwesens und Verbesserung des Rechnungswesens ebenso wie durch die grundsätzliche Reform der kurkölnischen Verwaltung. Erstmals erfolgten Neueinstellungen von Hofräten nach Können und Ausbildung und nicht mehr, wie zuvor, alleine durch Protektion und Vetternwirtschaft des Adels. Als Akademieratspräsident zuständig für die Bildung, konnte er auch in Bonn seine aufklärerischen Ideen umsetzten, das Schulwesen reformieren und wesentlich zum Ausbau der Bonner Akademie („Maxische Akademie“) zur Universität beitragen (Erhebung 1786). Als neuernannter Universitätskurator machte er die Hochschule zu einem Hort der katholischen Aufklärung, was – trotz großer Zustimmung des Kurfürsten und der aufklärerischen Bonner Kreise – auf erheblichen Widerstand im Kölner Domkapitel und der römischen Kurie stieß, die von Spiegel vorwarfen, Irrlehre und Unglauben an der Bonner Universität zu verbreiten.

Kurfürstliche Bonner Universität in der Bonngasse,
gegenüber der Jesuitenkirche.


Auch nach der Besetzung des Rheinlands durch französische Revolutionstruppen und der Flucht des Kurfürsten am 3. Oktober 1794 behielt von Spiegel die Leitung der Regierungsgeschäfte bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803, wobei er aber seinen Einfluss weitgehend verlor. Danach zog er sich auf sein Landgut Canstein zurück, wo er am 6. August 1815 verstarb.

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