Mittwoch, 3. Dezember 2014

3.12.1901: vor 113 Jahren wurde der Bonner Philosoph Paul Ludwig Landsberg geboren.


Der Philosoph Paul Ludwig Landsberg wurde am 3. Dezember 1901 in Bonn geboren. Sein Vater war der bedeutende Rechtshistoriker Ernst Landsberg, der schon mit 19 Jahren seinen juristischen Doktorgrad erworben hatte und mit nur 23 Jahren an der Bonner Universität zum Professor ernannt worden war. 1914 war er der erste Jude, der an der Bonner Hochschule ein Rektorat inne hatte. Als Rechtshistoriker erlangte er so große Bedeutung, dass die „Deutsche Juristenzeitung“ ihn seinerzeit als den herausragendsten Rechtshistoriker Deutschlands würdigte.

Paul Ludwig Landsberg
Foto aus: H.-P. Höpfner, Die vertriebe-
nen Hochschullehrer 1933–1945, in:
Bonner Geschichtsblätter, Bd. 43/44,
Bonn 1993/94

Der zweitgeborene Sohn Paul studierte nach seiner Schulausbildung Philosophie an den Universitäten Freiburg und Köln, wo er 1923 sein Examen ablegte und im selben Jahr promoviert wurde. Bereits zuvor durch sein sein Buch „Die Welt des Mittelalters und wir“ zu größerer Bekanntheit gelangt, hörte er nun noch einmal zwei Jahre Vorlesungen in Sozialwissenschaften und Psychologie an der Universität Berlin, bevor er nach Bonn wechselte und sich dort 1928 mit einer Arbeit über Augustinus habilitierte. Ab 1930 lehrte er an der Bonner Universität mit großem Erfolg als Privatdozent, wobei er – aus jüdischen Verhältnissen stammend, doch auf Betreiben seines Vaters evangelisch getauft – ein auf einem christlichen Gottesbild basierendes konservatives und wertorientiertes Gesellschaftsideal vertrat. Landsberg fühlte sich auch zu den Ideen von Karl Marx hingezogen, lehnte den aufkommenden Nationalsozialismus strikt ab und engagierte sich in Wort und Schrift dagegen. 1933 wurde ihm, obwohl überzeugter Christ, wegen seiner jüdischen Herkunft die Lehrerlaubnis entzogen und er musste in die Schweiz fliehen, wo er noch im selben Jahr seine ebenfalls aus Bonn stammende Braut Magdalena Hofmann heiratete. 1934 folgte er zunächst einem Ruf an die Universität Barcelona, doch zwang der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs ihn bald zur Flucht nach Paris, wo er 1937 eine Professur an der Sorbonne erlangte und in der Zeitschrift für Sozialforschung des ebenfalls nach Paris emigrierten Max Horkheimer publizierte. Spätestens hier schloss er sich zudem der Résistance an. 1938 nahm sich seine in Deutschland verbliebene Mutter – der Vater war bereits 1927 verstorben – wegen der anhaltenden Schikanen das Leben; 1939 wurde Landsberg der Doktorgrad offiziell entzogen. Aufgrund der französischen Internierungsverfügung wurde Landsberg 1939 in ein Lager in der Bretagne verfrachtet, doch gelang ihm nach der Kapitulation Frankreichs zunächst die Flucht ins Elsaß, wo er unter falschem Namen lebte, bis er nach einer Denunziation im März 1943 von der Gestapo verhaftet und ins KZ Oranienburg verschleppt wurde. Dort starb er am 2. April 1944 an Hunger und Auszehrung.

Stolpersteine vor Landsbergs ehem. Haus
Seine Tochter hat er nicht mehr aufwachsen sehen können; sie war 1941 in Pau/Frankreich geboren und immigrierte später in die USA. An Paul Ludwig Landsberg und seine Mutter Anna erinnern heute zwei Stolpersteine vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Friedrich-Wilhelm-Straße.

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