Sonntag, 23. November 2014

25.11.1314: Königskrönung im Bonner Münster.


Vor 700 Jahren (1314) war die politische Lage im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sehr angespannt und es kam in Folge dessen zu einer Königskrönung im Bonner Münster.

Entstanden war das Reich im 10. Jahrhundert aus dem karolingischen Ostfrankenreich heraus und sah sich in der Tradition des Römischen Reichs, doch nun unter christlichen Vorzeichen. Ihm stand der römisch-deutsche König vor, der von den sieben (später neun) höchsten Reichsfürsten, den Kurfürsten, gewählt wurde. Vier dieser Kurfürsten waren weltliche, drei geistliche Fürsten (Erzbischöfe).

Erste Darstellung eines Kurfürstenkollegs,
Codex Balduineus, um 1340,
ganz links der Kölner Erzbischof und Kurfürst
Wahl und Krönung des römisch-deutschen Königs hatten nach einem festen Ritus zu erfolgen, der 1356 in der Goldenen Bulle erstmals schriftlich festgehalten wurde. Nach diesem Zeremoniell war der einzig legitime Koronator der Kurfürst-Erzbischof von Köln (die Kölner Kurfürsten hielten sich seit 1263 vorwiegend in Bonn auf, das 1597 offiziell zur kurfürstlichen Haupt- und Residenzstadt erhoben wurde). Gemeinsam mit dem Kurfürsten von Trier führte er den frisch gewählten König zum Altar, wo er vom Kurfürsten von Mainz empfangen wurde. Hier kniete der König nieder und es wurden Gebete gesprochen. Es folgte ein Hochamt und die Salbung durch den Kölner Kurfürsten. Anschließend wurden dem König das Krönungsornat angezogen und das Schwert Karls des Großen überreicht. Dann hängte der Reichskämmerer ihm den Krönungsmantel um, und die drei geistlichen Kurfürsten setzten ihm gemeinsam die Reichskrone auf. Damit der Krönungsakt Rechtsgültigkeit erlangte, musste einer dieser drei geistlichen Kurfürsten zwingend der Kölner Kurfürst-Erzbischof sein! Als einzig rechtmäßiger Krönungsort galt die Aachener Pfalzkapelle. Das Krönungszeremoniell erreichte also nur dann die volle Rechtsgültigkeit, wenn drei Bedingungen erfüllt waren:

Die Reichsinsignien
Krone, Apfel und Zepter
1. die Krönung musste in der Aachener Pfalzkapelle stattfinden
2. zur Krönung benötigte man die rechtmäßigen Reichsinsignien
3. der Koronator musste der Kurfürst und Erzbischof von Köln sein

Wenn mindestens eine dieser Kriterien nicht erfüllt war, galt die Krönung als nicht vollzogen.

Im November des Jahres 1314 kam es nun zum Eklat. Friedrich III. (genannt „der Schöne“), aus dem Geschlecht der Habsburger, Herzog von Österreich und der Steiermark, stand mit Ludwig von Bayern in Zwist um die Königskrone. Bei der nach dem Tod des römisch-deutschen Königs Heinrich VII. stattgefundenen Königswahl war es zu einer Pattsituation gekommen. Keiner der beiden Kontrahenten hatte die erforderliche Einstimmigkeit erreicht. Ludwig von Bayern war es zwar gelungen, die Stimmen der Erzbischöfe von Mainz und Trier sowie des Markgrafen von Brandenburg und des Königs von Böhmen auf sich zu vereinen, aber der Pfalzgraf bei Rhein und der Kurfürst von Sachsen wollten unter der Führung des Kölner Erzbischofs Heinrich von Virneburg unbedingt eine Dynastiebildung durch den Wittelsbacher verhindern und gaben ihre Stimme Friedrich dem Schönen. Sowohl Friedrich als auch Ludwig betrieben nun schnellstmöglich ihre Krönungen! Ludwig konnte sich den rechtmäßigen Krönungsort Aachen sichern, aber er hatte weder den richtigen Koronator, noch verfügte er über die Reichsinsignien. Friedrich hingegen hatte mit seinem Parteigänger, dem Kölner Kurfürsten, zwar den richtigen Koronator – und auch die Reichsinsignien waren in seinem Besitz – aber er musste nach Bonn, dem „falschen“ Krönungsort ausweichen.

Friedrich der Schöne
----------Ludwig von Bayern-------------
























So kam es, dass am 25. November 1314, vor genau 700 Jahren, die erste Königskrönung in der Geschichte der Bonner Münsterkirche durch den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg mit einem festlichen, ja pompösen Zeremoniell stattfand! Die ganze Stadt muss damals auf den Beinen gewesen sein, um der Krönung beizuwohnen, einem Akt, der für das ganze Reich von größter Bedeutung war. Das Fresko eines monumentalen Reichsadlers im nördlichen Querschiff der Münsterbasilika weist heute noch auf die Königskrönung hin. Die Inschrift unter dem Adler besagt: „In alma hacce aede solemniter coronati sunt Romanorum Reges Fridericus Austriacus per manus Henrici Archiepiscopi Coloniensis AD 1314“.

Reichsadler, Fresko
im Bonner Münster.

Originalabbildung:
http://www.bonner-muenster.de/
kroenung700/geschichte/
sehenswertes/reichsadler/
Bonner Münster: Nördliches Querhaus mit Fresken
















Nach der Krönungszeremonie versammelten sich alle in Bonn anwesenden Fürsten und Herren im Konvent der Minoriten (heute St. Remigius) unter dem Vorsitz des Kurfürsten und verkündeten die vollzogene Salbung und Krönung offiziell dem Reich. Die dabei ausgestellte Urkunde gibt zur Rechtfertigung eine genaue Darstellung der Ereignisse wieder. Am 4. Dezember 1314 erhielt die Stadt Bonn als Belohnung für ihre treuen Dienste auf ewige Zeiten das Recht am Verkauf des sogenannten Bannweins verliehen, womit die Weinzapfgerechtigkeit ganz in die Hand der Bürgerschaft überging.

Was die beiden gleichzeitig gekrönten Könige angeht, so fanden sie nach über zehn Jahren zu einem Kompromiss, bei dem sie sich gegenseitig anerkannten und auf eine Art Doppelherrschaft einigten, wobei Friedrich jedoch nur eine untergeordnete Rolle zukam, während Ludwig die Kaiserkrone erhielt.

Fast auf den Tag 32 Jahre nach diesem bedeutenden Ereignis wurde Bonn zum zweiten Mal Krönungsort. Diesmal, am 26. November 1346, wurde Karl von Mähren – wiederum in der Münsterkirche – zum König gekrönt. Fortan nannte er sich Karl IV. und ging als einer der bedeutendsten Herrscher des späten Mittelalters in die Geschichtsbücher ein.

Sonntag, 16. November 2014

Träumendes Bonn - Eine Heimat-Hymne von 1954.


(Den ganzen Aufsatz "Bonn im Spiegel der Musik" finden Sie in: Bonner Geschichtsblätter, Band 64, Bonn 2014)

Nicht zu vergessen sind an dieser Stelle die „Vier Sternenburger“ und die daraus hervorgegangene Gruppe „Die Zwei mit dem Dreh“, denen Bonn eine Fülle wunderbarer Lieder zu verdanken hat. Das Quartett, bestehend aus dem Sänger Peter Brust, dem Bassisten Emil Lohmer, Rudi Morsche an der Gitarre und Addi Waldmann am Akkordeon gründete sich 1954 und trat jahrzehntelang bei unzähligen Veranstaltungen auf – so auch regelmäßig im Bundeskanzleramt –, bis die Musiker sich 1989 aus Altersgründen trennen mussten. Peter Brust und Emil Lohmer (jetzt an der Drehorgel) traten anschließend als „Die zwei mit dem Dreh“ bis 2006 weiter auf. Traten die „Vier Sternenburger“ mehr mit Parodien und politischen Liedern auf, so sangen „Die Zwei mit dem Dreh“ ihre Lieder in Bönnschem Platt, meist geschrieben von Peter Brust, wie beispielsweise: En de Stuff, En Bonn em Gequetschte, Direk nom letzte Kresch und Heilije Ofend in Bonn. Bekanntestes Stück ist allerdings bis heute das 1954 von Emil Lohmer (geb. 1928) komponierte Lied Träumendes Bonn, das mehrfach veröffentlicht wurde.

Hier der Link zum Video: Träumendes Bonn


Träumendes Bonn, wie schön wors Du
Maat on Hoffjaade wegten eins dich en Ruh.
Die wiesse Scheffe am Ahle Zoll
dröme von Zigge, die woren wundervoll.
Nun zog dat Märche de Vorhang zu,
träumendes Bonn wie schön wors Du.

Jeet me hück durch de Wenzeljass,
nimmp me sich am beste en flegende Ungertass.
Bei su nem grusse Krach un Lärm,
werde mir Bönnsche üwerhaupt net mie wärm.
Schön wor et fröhe on wie es et hück?
Me fällt jo bald üwer de fremde Lück.

Träumendes Bonn, wie schön wors Du,
de Strom mät beim Anblick de Oore zu.
Verebb es der stürmische jungfruhe Drang,
on huschende Welle murmele ne Sang.
Doch letztens ene Grus der soll et sen,
et es uns Heimat, ons Bonn am Ring.

Samstag, 15. November 2014

Bonn - Wenn nur der Rhein nicht wär! Schellackplattenaufnahme von 1924.


Den ganzen Aufsatz "Bonn im Spiegel der Musik" finden Sie in: Bonner Geschichtsblätter, Band 64, Bonn 2014.

Der seinerzeit sehr bekannte und erfolgreiche Komponist Friedrich August Bungert (1845–1915) vertonte 1891 in seinem Zyklus „Mein Rhein. Ein Kranz von Liedern“ (Op. 37) das von Carmen Sylva geschriebene Gedicht „Bonn. Wenn nur der Rhein nicht wär“. Carmen Sylva - eigentlich Prinzessin Elisabeth Luise zu Wied – war seit ihrem 10. Lebensjahr in Bonn aufgewachsen. Durch ihre Heirat mit Karl Eitel Friedrich Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen wurde sie als Folge des russisch-türkischen Kriegs 1881 Königin von Rumänien. Hatte sie bereits in ihrer Bonner Zeit eigene Gedichte und Prosa verfasst, so intensivierte sie in Bukarest ihre künstlerische Tätigkeit. Eine Vielzahl ihrer Gedichtbände, Übersetzungen, Theaterstücke und Romane wurden noch zu Lebzeiten veröffentlicht. Den Künstlernamen Carmen Sylva verwendete sie erstmals 1881.

Bungerts Liedvertonung wurde später mehrfach auf Schallplatte eingespielt, so seit 1911 alleine viermal von Odeon mit Carl Amster als Interpret, 1921 ebenfalls mit Carl Amster von Vox, 1924 von der Deutschen Grammophon mit dem Bariton Julius Roether, im selben Jahr von Parlophon mit Heinrich Winckelshoff, 1929 von Tri-Ergon mit dem Operntenor Wilhelm Gombert und 1937 nochmals von der Deutschen Grammophon mit Willy Schneider.

Die hier vorgestellte sehr seltene Aufnahme ist von 1924 mit dem seinerzeit sehr bekannten Opernsänger (Bass-Bariton) Julius Roether.


Wenn nur der Rhein nicht wär’
und der Sonnenschein
so strahlend darüber her,
und der goldene Wein.

Und die sieben Berge nicht,
und der alte Zoll
und die Schifflein im Angesicht,
mit den Segeln voll.

Und die Mägdlein so wundernett,
und der Rundgesang,
und der Morgen so schön im Bett,
und der Tag so lang. –

Ach! wie studierten wir
so gar fleissig jus!
Rhein, Rhein! Es liegt an dir,
dass man bummeln muss!

Dienstag, 11. November 2014

Das war in Bonn am Rhein bei den Husaren - Marschfoxtrott von 1930.


Ein weiteres Stück aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts trägt den Titel Das war in Bonn am Rhein bei den Husaren und stammt aus dem Jahr 1930. Komponist und Texter des Lieds war Rudolf Roontal. Im Juni 1930 wurde das Marschlied mit Refrain-Gesang von der Firma Electrola im Berliner-Beethoven-Saal auf Schellack-Platte aufgenommen. Es spielte das Oskar-Joost-Tanzorchester vom Eden-Hotel Berlin unter Joosts eigener Leitung. Der Sänger wird nicht genannt, ist aber möglicherweise ebenfalls Oskar Joost. Der Titel bezieht sich auf das Husaren-Regiment König Wilhelm I. (1. Rheinisches) Nr. 7, das von 1852 bis zum Ersten Weltkrieg in Bonn stationiert war. Das Husarendenkmal befindet sich am Alten Zoll. 

Den ganzen Aufsatz „Bonn im Spiegel der Musik“ finden Sie in: Bonner Geschichtsblätter, Band 64, Bonn 2014.




Das war in Bonn am Rhein, bei den Husaren,
da küssten wir so manches Mägdelein
mit blonden, braunen und mit schwarzen Haaren
am Alten Zoll beim trauten Mondenschein.
Und klangen hell früh morgens die Fanfaren,
dann war die ganze Stadt aus Rand und Band.
Das war in Bonn am Rhein, bei den Husaren,
in Bonn am schönen grünen Rheinesstrand.

Sonntag, 9. November 2014

Die Geschichte der Bonner Sankt Martinszüge.


Die Bonner St. Martinsbräuche reichen zurück bis ins Mittelalter. Doch der heute bekannteste Brauch des Martinszugs, in dem der heilige Martin zu Pferde mitreitet, ist noch keine hundert Jahre alt. Er geht zurück auf den Bonner Münsterpfarrer Johannes Hinsenkamp (1870–1949).

Der heilige Martin,
El Greco, 1598

Das Fest des heiligen Martin war vor Jahrhunderten zugleich der Abschluss des Wirtschaftsjahrs und Anfang des Winters. Die Ernte war eingebracht, die Höfe mussten Steuern entrichten und allerorten wurde geschlachtet. An diesem Tag hatten die ärmeren Bevölkerungsschichten deshalb Gelegenheit, von Haus zu Haus zu ziehen und Nahrungsmittel, insbesondere Fleischreste, zu erbetteln. Wegen des frühen Einbruchs der Dämmerung ist es naheliegend, dass sie dazu Fackeln mitnahmen. Möglicherweise entwickelte sich daraus das „Schnöörzen“, also das zu den Heischebräuchen gehörende Ritual der Kinder, am St. Martinsabend singend mit ihren Laternen von Haus zu Haus zu ziehen und Süßigkeiten zu erbetteln. Etymologisch mit dem Wort „schnorren“ verwandt, scheint der Begriff tatsächlich unmittelbar in Bonn entstanden zu sein und ist bereits wenige Kilometer außerhalb des Stadtgebiets in dieser Form nicht mehr gebräuchlich.

Es ist möglich, dass dieser Heischebrauch später rituell auf die Kinder überging, aus den Fackeln Laternen und aus den Bettelrufen Heischelieder wurden. Der Ursprung des Martinsfeuers hingegen wird in den Riten der germanischen Wintersonnenwendfeier vermutet. In dem reinigenden Feuer wurden die Sünden des vergangenen Jahres verbrannt – zugleich sollte es die dunkle Jahreszeit erhellen und den Feldern Segen bringen.

Martinsabend,
Bild des Bonner Malers
Peter Schwingen, 1837
In Bonn war es ein überlieferter Brauch, dass einige Tage vor St. Martin die Jungen von Haus zu Haus zogen, um Brennmaterial für die Martinsfeuer zu sammeln. Dies geschah unter der Aufsicht des „Mäetesmännche“, eines Jungen, dessen Leib, Arme und Beine mit dicken Strohseilen umwickelt waren. Auf dem Kopf trug er je nach Gegend einen Strohkranz oder alten Zylinder mit bunten Bändern, in der Hand einen Stock mit einem Strohwisch. Vor jedem Haus führte er Sprünge und Tänze auf, schlug mit dem Stock auf die Erde und sang: „Jett uns dit, jett uns dat, jett uns alles wat ihr hatt …“, oder, speziell in der Küdinghovener Gegend: „Mus, Mus komm erus, bräng en Bösch Struh erus ...“ Am Martinsabend loderten dann überall am Rheinufer größere Feuer und die Kinder zogen mit zur Fackel ausgehöhlten Rüben und Kürbissen durch die Stadt, um Gaben zu erbetteln. Waren die Feuer ausgebrannt sprangen die Jungen nach alter Sitte über die Glut. Tags darauf verstreuten die Bauern die Asche der Martinsfeuer über ihren Feldern. In den Familien war es bis weit ins 19. Jahrhundert Brauch, die Tafel mit frischen Würsten zu schmücken, wozu man sang: „Mäetens Ovend maache die Wiever de Wüeschte, wenn se Wing im Keller hann, dann drinken se, wenn se düeschte ...“

Johannes Hinsenkamp
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gingen die Bräuche vielerorts zurück. Anfang der 1890er Jahre wurde an der Ersten Fährgasse das letzte Martinsfeuer angezündet, kurz darauf wurden die Feuer aus Gründen der Sicherheit ganz verboten. Im Zuge des Ersten Weltkriegs und der Hungerjahre verrohten manche Sitten und das „Schnöörzen“ der Jugendlichen wurde zur aggressiven Plage. Die Deutsche Reichszeitung schrieb damals über das Bonner Martinsfest: „Gemütvolle Bräuche, die die Volksseele einer inniger empfindenden Zeit gebaren, drohen in der verflachten Gegenwart zu versanden. So ging es auch dem singenden Herumziehen der Kinder am Martinsabend, das in den letzten Jahren zu einem Vagabundieren mit schlimmsten Auswüchsen geworden war.“

Als 1920 Johannes Hinsenkamp zum Oberpfarrer der Münsterkirche und Stadtdechanten von Bonn ernannt wurde, war es ihm ein besonderes Anliegen, den alten Martinsbrauch neu aufleben zu lassen. Gemeinsam mit dem eigens neu geschaffenen St. Martins-Ausschuss Bonn Zentral, der sich auf Allerheiligen 1920 im „Hähnchen“ konstituierte, begründete er noch im selben Jahr aus Anlass des Patronatsfestes der Münsterpfarre die Tradition der Martinsumzüge in neuer Form, die schon bald im ganzen Rheinland Verbreitung fanden. Hinsenkamp, der Martins-Ausschuss und die Lehrerschaft organisierten zum 10. November einen Martinszug, bei dem erstmals die Schulklassen gemeinsam durch die Straßen zogen, wobei sie – einer neuen Idee folgend – von einem Gänsewagen und dem heiligen Martin zu Pferde begleitet wurden. Die Kinder trugen selbstgebastelte Laternen und sagen Martinslieder, wofür sie am Ende des Zugs mit Weckmännern belohnt wurden. Der erste St. Martin wurde von Josef Weiden dargestellt, der dazu auf dem einzigen Schimmel der Stadt ritt. Weiden übernahm diese Rolle für die kommenden 30 Jahre.

Martinsabend 1924 mit den Herren des Festkomitees,
Bild des Bonner Malers Emil Krupa-Krupinski, 1924

Der volle Erfolg des Martinszugs liest sich in der Deutschen Reichszeitung vom 11.11.1920 folgendermaßen: „ (…) und als erst der leibhaftige „Zinte Määtes“ in prangend rotem Mantel und hoch zu Roß sich vor dem Zug in Bewegung gesetzt hatte, da kam Fluß in die Sache. Die Kapellen schmetterten ihre Weisen hinaus, daß die dicke Trommel Mühe hatte, mit ihrem Bumbum zu folgen, und die jungen Kehlen jubelten die alten und doch immer wieder neuen Martinslieder so hell dazu, daß sie bald die Hörner übertönten. In flottem Marsche bewegte sich der Zug durch die Straßen, deren Häuser vielfach zum Feste der Kinder illuminiert waren. Es gab ein großartiges Bild, diese endlose Reihe von Lichtern vorüberfluten zu sehen… Dem nach einem Wege durch die Stadt zurückflutenden Zuge boten sich seine Ausgangspunkte in prächtiger bengalischer Beleuchtung… Während bengalische Lichter ihre rote Glut über die grauen Mauern des Münsters ergossen, fand auf dem Münsterplatz eine Schlußfeier mit kräftigem Männergesang statt.“

Bonner Martinszug 2013,
© Foto: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn

Seitdem ist der Bonner St. Martinszug eine echte Erfolgsgeschichte, die nur während der Kriegsjahre 1940–1945 aussetzte. Bewegend ist die Schilderung des damaligen Bonner Stadtdirektors Sebastian Dani über den ersten Nachkriegszug: „Dieser Martinszug gestaltete sich zu einem wahren Volksfest. Viele Straßen unserer Stadt lagen noch voller Trümmer, an den Häusern sah man noch die Wunden des Krieges, den Zuschauern aber leuchtete die Freude aus den Augen, nicht allein wegen des Martinszuges, der wiedererstanden war, sondern auch weil der seelische Druck, den der unheilvolle Krieg bei allen hinterlassen hatte, gewichen war. Sogar einige Offiziere der englischen Besatzungsmacht, darunter der Stadtkommandant Oberst Brown, feierten mit uns das Martinsfest und freuten sich so wie wir über die gebastelten bunten Fackeln und die leuchtenden Kinderaugen, die im Fackellicht erstrahlten. Dieser erneute Auftakt hat gezeigt, dass unser Martinsfest in der Bonner Bevölkerung ein fester, bleibender Begriff geworden ist und jedes Jahr wieder alt und jung erneut begeistert.“ Und diese Begeisterung ist bis heute geblieben und jedes Jahr wieder zu spüren!

Dienstag, 4. November 2014

Geburtstag von Karl König: Bonner Kunstschmied, Bezirksvorsteher und legendärer Karnevalist.


Karl König wurde am 4.11.1939 als Sohn des Kunstschmieds Karl König (1906-1973) in Bonn geboren. Nachdem sein Vater 1973 gestorben war, übernahm er den väterlichen Betrieb. Zudem engagierte er sich in der Kommunalpolitik und begann sein politisches Wirken in den städtischen Gremien. Seit 1979 Bezirksverordneter im Stadtbezirk Bonn, übernahm er 1982 den Vorsitz der CDU-Fraktion und wurde noch im November desselben Jahres als seinerzeit jüngster Stadtverordneter vereidigt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat im Oktober 1989 wurde König zum Bezirksvorsteher des Stadtbezirkes Bonn gewählt, ein Amt das er bis 1994 ausübte. Anschließend übernahm er wieder die Führung der CDU-Ratsfraktion als Fraktionsvorsitzender. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Städtepartnerschaft mit Oxford sowie um die 1991 von ihm initiierte Städtepartnerschaft zu Budafok-Tétény, dem XXII. Bezirk von Budapest.

Karl König beim Unterschreiben des Partnerschaftsvertrags
Bonn-Budafok-Tétény
Foto der Stadt Bonn: http://www.bonn.de/rat_verwaltung_buergerdienste/
stadtbezirke/bonn/budafok/01402/index.html?lang=de

Nicht zuletzt dafür wurde er 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 1997 mit der Verdienstmedaille der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft geehrt. Als Inhaber eines Handwerkbetriebs nahm König auch in diesem Bereich Verantwortung wahr und gehörte von 1976 bis 1985 dem Kulturausschuss beim Zentralverband des Deutschen Handwerks an. Daneben war er viele Jahre Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses sowie Meisterbeisitzer bei der Kreishandwerkerschaft.

Rathaussturm 2014
Foto: Barbara Frommann
Sein soziales Engagement zeigte König vor allem als jahrzehntelanger Vorsitzender der Kolpingsfamilie und aktives Mitglied im Bonner Karneval. Besonders eng mit dem Rathaussturm verbunden, lieferte er sich zum Vergnügen des Publikums als Anführer der Rathausverteidiger legendäre Wortgefechte mit dem Stadtsoldaten-Kommandanten Stratemeier. Seit 1991 Anerkennungsordensträger der Großen Dransdorfer Karnevals-Gesellschaft e. V., war König zuletzt Ehrenmajor des Bonner Stadtsoldatencorps. Bereits Königs Vater war aktiver Bonner Karnervalist, ebenso wie auch Königs Ehefrau und seine Kinder. Fast möchte man es als Schicksal dieser karnevalsbegeisterten Familie sehen, dass 1996 bereits Ehefrau Karin an einem Karnevalstag gestorben war, so wie auch Karl König selbst am 13.2.2010, einem Karnevalssamstag, für immer die Augen schloss.